Mart Busche

Mart Busche
Universität Kassel
Fachbereich 05 Gesellschaftswissenschaften
Nora-Platiel-Str. 5, Raum 2124
34109 Kassel
Tel. +49 561 804 2883
E-Mail: mart.busche@uni-kassel.de

Dissertationsprojekt

„Die Welt geht ja nicht unter, wenn ich ihn nicht haue.“ Gewaltdistanz im Kontext jugendlicher Lebensräume

Über die Begründungen für gewalttätiges Verhalten ist bereits einiges bekannt, wenig lässt sich bislang aus einer soziologischen Perspektive zu der Frage sagen, warum Jugendliche keine Gewalt benutzen. In meiner Dissertation untersuche ich Bedeutungszusammenhänge für gewaltabstinentes Verhalten in Aussagen gewaltbelasteter 14- bis 16-jähriger Jugendlicher im Kontext ihrer jeweiligen Lebensräume. Entgegen einer individualisierenden Perspektive auf persönliche Widerstandspotenziale, wie sie vor allem in psycho-pathologischen Debatten zum Thema Resilienz häufig vertreten wird, nehme ich im Dissertationsvorhaben eine soziologische und intersektionale Analyse jugendlicher Gewaltabstinenz im mehrdimensionalen sozialen Raum vor. Dabei werden die Sichtweisen der Jugendlichen auf Gewalt und auf Gewaltabstinenz in den Mittelpunkt gerückt, sie kommen also als Expert_innen ihrer eigenen Lebenswelt zur Sprache, und es werden ihre Aushandlungsprozesse vor dem Hintergrund sozial-räumlicher Ressourcen rekonstruiert. Ziel der Dissertation ist der Entwurf einer empirisch begründeten Theorie zu Gewaltabstinenz innerhalb der Jugendsoziologie.

„It’s not the end of the world if I don’t beat him!“ Violence abstinence in the contexts of adolescents’ life spheres

There are many research findings about reasons for violent behaviour, less is known from a sociological perspective about the fact that adolescents don’t use violence. In my PHD project I analyse the meanings of violence abstinence in the context of social spaces in interviews with 14 to 16 year-old adolescents who have been subject to different forms of violence. Contrary to an individualistic perspective on personal resources – as it is found for example in psycho-pathologist debates on resilience – I undertake an sociologist and intersectional analysis of youth violence abstinece in a multidimenensional social spaces. The adolescents’ perspectives are put in the center: they are treated as experts of their life spheres and their negotiation processes for social and spatial ressources are reconstructed. Aim of this dissertation is the draft of an empirically founded theory on violence abstinence in the field of youth sociology.

Kurzbiografie

10/2012 – 09/2016 assoziiert am DFG-Graduiertenkolleg 1599 „Dynamiken von Raum und Geschlecht: entdecken – erobern – erfinden – erzählen“

seit 08/2011 Wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in im Fachbereicht 05 der Universität Kassel (Soziologie der Diversität)

01/2010 – 07/2011 Projektkoordination des EU-Projekts “Implementation guidelines for intersectional peer violence preventive work” (Grundtvig – Mulitlateral Projects), Dissens e.V. Berlin

04/2009 – 03/2011 Wissenschaftliche Mitarbeit im EU-Projekt „STAMINA – Formation of non-violent behaviour in school and leisure time among youths from violent families (Daphne III), Universität Osnabrück/Dissens e.V. Berlin

05/2007 – 04/2009 Projektleitung des EU-Projekts „PeerThink – Tools and Resources for an intersectional Prevention of Peer Violence“ (Daphne II), Dissens e.V. Berlin

06/2004 – 05/2007 Wissenschaftliche Mitarbeit im EU-Projekt „CAHRV – Coordination Action on Human Rights Violation“, (FPR 6), Universität Osnabrück/Dissens e.V. Berlin

04/1996 – 06/2003 Studium der Politikwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und der Freien Universität Berlin

Publikationen

Herausgeberschaften

gemeinsam mit Elisabeth Tuider (Hg.): Queerfeldein durch die Soziale Arbeit. Sozialmagazin 3-4, 2014

gemeinsam mit Maikowski, L./Pohlkamp, I./Wesenmüller, E. (Hg.): Feministische Mädchenarbeit weiterdenken. Zur Aktualität einer bildungspolitischen Praxis. Bielefeld 2010

Artikel

gemeinsam mit Michael Cremers: „Von der antisexistischen Jungenarbeit zu einer heteronormativitätskritischen und queeren Jungen_arbeit“, in: Madeline Doneit/Bettina Lösch/Margit Rodrian-Pfennig Geschlecht ist politisch. Geschlechterreflexive politische Bildung. Opladen 2016, S. 189-202

gemeinsam mit Sophie Domann/Daniela Krollpfeiffer/Tobias Norys/Tanja Rusack): „Perspektiven auf sexualisierte Gewalt im Kontext der Jugend(verbands)arbeit und des Jugendsports – Aspekte geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“, in: Claudia Mahs/Barbara Rendtorf/Thomas Viola Rieske (Hg.): Erziehung – Gewalt – Sexualität. Zum Verhältnis von Geschlecht und Gewalt in Erziehung und Bildung. Opladen 2016, S. 147-169

„Sexuelle Vielfalt – Zwei sind nicht genug“, in: Forum Erziehungshilfen 2, Sexualität und Pädagogik in den HzE. Weinheim 2015, S. 74

„‚Da dachte ich mir, komm, ich geb mir Mühe und zeige denen, dass ein Ausländer auch von der Haupt auf die Real gehen könnte.‛ Intersektionale Perspektiven auf Selbstpositionierungen Jugendlicher im Kontext von Raum, Geschlecht und Gewaltabstinenz“, in: Sonja Lehmann/Karina Müller-Wienbergen/Julia Elena Thiel (Hg.): Neue Muster, alte Maschen? Interdisziplinäre Perspektiven auf die Verschränkungen von Geschlecht und Raum. Bielefeld 2015 (Dynamiken von Raum und Geschlecht Bd. 2), S. 159-179

„Männlichkeit und Gewaltabstinenz. Dynamiken im adoleszenten (Ver)Handlungsraum“, in: Silke Förschler/Rebekka Habermas/ Nikola Roßbach (Hg.): Verorten – Verhandeln – Verkörpern. Interdisziplinäre Analysen zu Raum und Geschlecht. Bielefeld 2014 (Dynamiken von Raum und Geschlecht Bd. 1), S. 219-245

gemeinsam mit Elisabeth Tuider: „Queere Männlichkeiten & Soziale Arbeit“, in: Sozialmagazin 7-8. Weinheim 2013, S. 20-26

“A girl is no girl is a girl: Girls-work after Queer Theory”, in: Pedagogy, Culture & Society, 1/21. London 2013, p. 43-56

Von Unterschieden, die einen Unterschied machen – Heterogenität als Herausforderung für die Jungenarbeit, in: Chwalek/Diaz/ Fegter/Graf (Hg.): Jungen-Pädagogik. Wie geht das? (Reihe Kinder, Kindheit, Kindheitsforschung), VS Verlag 2012

gemeinsam mit Scambor, E./Stuve, O.: An intersectional perspective in social work and education. ERIS Web Journal 1/2012, S. 2-14

gemeinsam mit Tuider, E.: Queer und/oder Quote, in: Hurrelmann/Schulz (Hg.): Jungen als Bildungsverlierer. Brauchen wir eine Männerquote in Kitas und Schulen? Weinheim/Basel 2012, S. 177-182

gemeinsam mit Kassis, W./Bohne, S. [et al.]: Eltern und Lehrpersonen als Gewalt-Risikofaktoren Jugendlicher, in: Psychotherapie Forum 18, 2010, S. 80–88

gemeinsam mit Stuve, O.: Bildungsarbeit intersektional erweitern, in: Scherr/ Riegel/Stauber (Hg.): Transdisziplinäre Jugendforschung. Wiesbaden 2010, S. 271-288

gemeinsam mit Pohlkamp, I.: Gendertrainings als Praxis der politischen Bildung. Ein Beitrag zu mehr (Geschlechter)Emanzipation?!, in: Mende/Müller (Hg.): Emanzipation in der politischen Bildung. Schwalbach/Ts. 2009, S. 275-299

gemeinsam mit Cremers, M.: Jungenarbeit und Intersektionalität, in: Pech (Hg.): Jungen und Jungenarbeit. Eine Bestandsaufnahme des aktuellen Forschungs- und Diskussionstands. Hohengehren 2009, S. 13-30

Gender im (Re)Konstruktionsprozess: Perspektiven geschlechtsbezogener Bildung, in: Boeckle/Ruf (Hg.): Eine Frage des Geschlechts. Ein Gender-Reader. Wiesbaden 2004

Rezensionen

Rezension zu: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Hg.): Forschung im Queerformat. Aktuelle Beiträge der LSBTI*-, Queer- und Geschlechterforschung, Bielefeld, in: Zeitschrift für Sexualforschung 28. 2015, S. 390-393

Vorträge

06/2012 „Männliche Gewaltresilienz im Kontext jugendlicher Lebenszusammenhänge“, Jahrestagung des Arbeitskreis für interdisziplinäre Männer- und Geschlechterforschung (AIM Gender) zum Thema „Männer als Täter und als Opfer – zwischen Verletzungsmacht und Verletzungsoffenheit“, Stuttgart

04/2010 „Geschlechterbezogene Aspekte von Gewalt an der Schule“ auf der Fachtagung „Gewalt und Geschlecht“ der GEW Baden-Württemberg

07/2009 „Widersprüche in der intersektionalen Gewaltprävention“, Arbeitstagung „Transdisziplinäre Jugendforschung“, Universität Tübingen (mit Olaf Stuve)

01/2009 „Intersektionale Gewaltprävention“, Tagung „Lebenswelten gewalttätiger Mädchen“, Universität Osnabrück

Lehre

WS 2012/2013 BA-Seminar „Adoleszenz: Bedingungen, Aushandlungen, Widerständigkeiten“, Soziologie, Universität Kassel

SS 2012 BA-Seminar „Männlichkeiten, Care, Migration“, Soziologie, Universität Kassel

WS 2011/2012 BA-Seminar „Männlichkeit und Gewalt“, Soziologie, Universität Kassel

SS 2010 Lehrauftrag zum Thema „Soziale Differenzen in der schulischen und außerschulischen Bildung“, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Universität Bielefeld

WS 2009/2010 Lehrauftrag zum Thema “Intersektionalität in der Sozial- und Bildungsarbeit”, Fakultät Erziehungswissenschaft, Universität Bielefeld

Links

http://www.uni-kassel.de/fb05/fachgruppen/soziologie/soziologie-der-diversitaet/mart-busche.html
http://www.dissens.de

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