Tamara Frey

Dr. des. Tamara Frey

Schwerpunkte
Geschlechtergeschichte
Medien und Gesellschaft
Stadt und Gesellschaft im 18. und 19. Jahrhundert
Medizingeschichte der Neuzeit

Dissertationsprojekt

Heiraten per Annonce. Eine Analyse von Kontaktanzeigen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
(Erstbetreuung: Prof. Dr. Rebekka Habermas)

Mitte des Jahres 1873 berichtete die populäre Zeitschrift „Die Gartenlaube“ über ein „ebenso nützliches wie interessantes“ journalistisches Organ in London, das nur aus Heiratsanzeigen bestand. Der Artikel „Die Ehezeitung“ wurde damit eingeleitet, dass der Autor feststellte: „Durch die Spalten der periodischen Presse in den Hafen der ehelichen Glückseligkeit einzulaufen, ist auch bei uns in Deutschland ein nicht mehr ungewöhnlicher Weg“
Heiratsinserate können über die in einer Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit bestehenden Normen und Leitbilder Aufschluss geben, indem sie Einblick in die Kriterien der Partnerwahl ermöglichen, aber ebenso in die Art und Weise der Selbstdarstellung der Inserenten. Mit meinem Dissertationsprojekt möchte ich Kontaktanzeigen als performativen Raum analysieren. In einer Zeit, die durch sich verändernde Rahmenbedingungen von der Formierung der „modernen“ Gesellschaft geprägt ist, wurden in den Heiratsgesuchen gegenseitige, aber auch an sich selbst gerichtete Rollenerwartungen formuliert und ausgehandelt, mithin „erzählt“ und „erfunden“. Hier wurden durch sprachliche Mittel Charakterisierungen und Zuschreibungen vorgenommen, die handlungsrelevante Geschlechterbilder und -ordnungsvorstellungen und damit auch Machtbeziehungen re-/produzierten.

An Analysis of 19th Century Lonely Heart Ads in Germany

In mid-1873, the well-known periodical journal „Die Gartenlaube“ presented a “useful as well as interesting” London penny-press magazine which consisted only of lonely-heart ads. The article “The Marriage Journal” was introduced by a statement of the anonymous author: “to enter the haven of conjugal blessedness by the personal column is also here in Germany no longer an unusual way.”
Marriage advertisements allow us to explore the norms and ideals of a given society at a given time by gaining insights in the criterions of mate selection, but also in the manner of self-presentation. I will analyze the lonely-heart ads in a period characterized by changing frame conditions which affected and formed “modern” society and analyze them as a performative space, in which reciprocal, but also self-directed role expectations and underlying biases of the social order and the order of the sexes were formulated, mediated and manifested. Marriage advertisements can thus be seen as a performative space in which role expectations are narrated and invented. The ads, howeve, also produce ideals of a distinct social order relevant to action and involving specific power-relations.

Kurzbiografie

10/2013 – 09/2016 Doktorandin am DFG-Graduiertenkolleg 1599 „Dynamiken von Raum und Geschlecht: entdecken – erobern – erfinden – erzählen”

03/2013 – 09/2013 geprüfte Hilfskraft im Universitätsarchiv Mannheim

02/2010 – 01/2013 studentische Hilfskraft im Universitätsarchiv Mannheim

09/2010 – 01/2013 Master-Studium „Geschichte: Wissenschaft und Öffentlichkeit“ an der Universität Mannheim, Abschlussarbeit: „Die Konstruktion weiblicher Religiosität in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frauenzeitschriften“

09/2007 – 06/2010 Bachelor-Studium „Geschichte: Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft“ an der Universität Mannheim, Abschlussarbeit: „Leibärzte als Reformer im 18. Jahrhundert“

Vorträge

05/2011 Wissenschaftliches Poster zum Thema „Die Haut als Zeichenträger. Narbe, Schmiss, Tattoo“ im Rahmen der Tagung „Homo portans. Tragen. Die Faszination des Selbstverständlichen“ vom 19.-21.05.2011 im Deutschen Hygienemuseum Dresden

Veranstaltungsorganisation

2012 Ausstellung des Universitätsarchivs Mannheim in der Universitätsbibliothek „Studieren unplugged. Studentenleben in Mannheim“, dazu: Sammelaktion des Universitätsarchivs „Wir wollen deine Erinnerung!“ an Studenten und Ehemalige

11/2012 „Kinder-Uni“ im Universitätsarchiv Mannheim: „Neugierig auf Geschichte?“

Links

Projektseminar “Homo portans”

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